Mehr als 8 Jahre für Eglisau - Danke, Lucas

Es gibt Menschen, deren Arbeit man jeden Tag sieht. Und es gibt jene, deren Arbeit oft im Hintergrund geschieht, die aber dafür sorgen, dass vorne überhaupt etwas funktioniert. Lucas Müller gehörte während mehr als acht Jahren zu diesen Menschen in unserer Gemeinde.
Auf Ende Oktober verlässt Lucas Müller die Gemeinde Eglisau. Für mich als Gemeindepräsident bedeutet das nicht nur den Abschied von unserem Gemeindeschreiber, sondern auch von einem engen Wegbegleiter, mit dem ich in den vergangenen Jahren sehr viele Herausforderungen gemeistert, Projekte angestossen und Veränderungen umgesetzt habe.
Lucas ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Er ist ruhig, überlegt und sachlich. Gerade darin liegt eine seiner grossen Stärken. Wer mit ihm zusammenarbeitet, merkt sehr schnell, wie enorm sein Fachwissen ist. Es gibt wohl nur wenig, dass Lucas über unsere Gemeinde, ihre Abläufe, ihre Geschichte und ihre manchmal durchaus komplexen Zusammenhänge nicht weiss. Und wenn irgendwo eine Frage auftauchte, bei der wir anderen Gemeinderäte zunächst einmal die Stirn runzelten, konnte man ziemlich sicher sein: Lucas weiss entweder die Antwort oder zumindest, wo sie zu finden ist.
Als Lucas vor über acht Jahren seine Tätigkeit bei der Gemeinde Eglisau aufnahm, war noch nicht absehbar, welchen Weg er hier gehen würde. Zunächst als Assistent der Geschäftsleitung tätig, übernahm er zunehmend Verantwortung und schliesslich von Martin Hermann die Funktion des Gemeindeschreibers.
Seither haben wir gemeinsam einiges erlebt. Einzelinitiativen, Abstimmungen, grosse und kleine Projekte, politische Diskussionen und die vielen Herausforderungen, die der Alltag einer wachsenden Gemeinde mit sich bringt. Manche Geschäfte waren einfach, manche kompliziert und manche von der Sorte, bei der man sich am liebsten noch eine dritte Tasse Kaffee geholt hätte.
Als Gemeindeschreiber hat er dafür gesorgt, dass aus politischen Ideen umsetzbare Geschäfte wurden, dass Verfahren korrekt abliefen und dass wir als Gemeinderat unsere Arbeit machen konnten. Er hat uns beraten, hinterfragt, manchmal gebremst und ebenso oft dabei geholfen, einen Weg zu finden, wenn dieser zunächst alles andere als offensichtlich war. Dabei hat er eine Eigenschaft nie verloren, die für diese Funktion besonders wertvoll ist: den Blick dafür, dass es bei all den Reglementen, Paragraphen und Prozessen letztlich um unsere Gemeinde und die Menschen geht, die hier leben.
Ich erinnere mich an unsere Anfänge als neu gewählter Gemeindepräsident. Das war im Jahre 2022. Mit viel Respekt vor dem Amt und der Bevölkerung, half mir Lucas mich im Dschungel der Vorschriften und Aufgaben zurecht zu finden. Das war für mich eine Zeit des Zuhörens, Lernens und Begreifen. Denn wer ein solches Amt übernimmt, merkt schnell, wie wichtig ein Gemeindeschreiber ist, auf dessen Urteil man sich verlassen kann.
Dabei war unser Austausch immer kollegial, konstruktiv und auf Augenhöhe. Wir waren nicht immer in allem gleicher Meinung, das wäre wohl auch kein besonders gutes Zeichen gewesen. Aber wir konnten diskutieren, Argumente gegeneinander abwägen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Dieses Vertrauen und diese Art der Zusammenarbeit habe ich ausserordentlich geschätzt.
Besonders prägend war die Reorganisation unserer Gemeindeverwaltung. Einen ersten grossen Schritt haben wir 2021 gemeinsam angestossen. Heute, fünf Jahre später, entwickeln wir diese Struktur konsequent weiter. Mit der künftigen Verbindung der Funktionen Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter werden die Verantwortlichkeiten noch klarer getrennt: Der Gemeinderat konzentriert sich stärker auf seine strategische Aufgabe, während die operative Führung der Verwaltung beim Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter liegt.
Dass wir heute diesen nächsten Schritt gehen können, hat viel mit der Arbeit zu tun, die Lucas in den vergangenen Jahren geleistet hat. Er hat Strukturen aufgebaut, Prozesse weiterentwickelt und die Verwaltung gemeinsam mit uns fit für die Zukunft gemacht. Lucas hat die Gemeinde Eglisau damit einen entscheidenden Schritt weitergebracht. Vieles davon wird bleiben, auch wenn er selbst nun weiterzieht.
Für mich persönlich waren es intensive und sehr bereichernde Jahre der Zusammenarbeit. Als Gemeindepräsident ist man darauf angewiesen, einen Gemeindeschreiber an seiner Seite zu wissen, der nicht einfach ausführt, sondern mitdenkt, hinterfragt, einordnet und auch einmal sagt, wenn etwas so nicht funktionieren wird. Genau das konnte Lucas. Ruhig, fundiert und ohne grosses Aufheben. Natürlich hätte ich diesen gemeinsamen Weg gerne noch länger fortgesetzt. Gleichzeitig gehört es dazu, dass nach vielen intensiven Jahren irgendwann der Moment kommt, an dem jemand eine neue Herausforderung sucht. Lucas hinterlässt eine Gemeinde, die heute organisatorisch anders aufgestellt ist als bei seinem Amtsantritt. Und er hat einen wesentlichen Anteil daran.
Lieber Lucas, ich danke dir im Namen des Gemeinderates, aber ganz besonders auch persönlich, für deinen grossen Einsatz für Eglisau, für dein Vertrauen, dein enormes Wissen und für die vielen konstruktiven Gespräche der vergangenen Jahre.
Wir haben gemeinsam viel aufgegleist, einiges ausgefochten und noch mehr umgesetzt. Darauf können wir mit Freude zurückblicken. Aus einer professionellen Zusammenarbeit ist über die Jahre ein grosses gegenseitiges Vertrauen entstanden. Und genau deshalb fällt mir dieser Abschied nicht leicht. Du hinterlässt eine Lücke. Das ist vermutlich eines der grössten Komplimente, dass man jemandem zum Abschied machen kann.
Für deinen nächsten beruflichen und persönlichen Abschnitt wünsche ich dir von Herzen alles Gute. Dein Wissen über Eglisau werden wir vermutlich noch das eine oder andere Mal vermissen. Dich als Kollegen sowieso.
Danke für alles, Lucas.
Und wie geht es weiter?
Mit dem Abschied von Lucas beginnt für die Gemeinde gleichzeitig ein neues Kapitel. Ab November wird uns mit Marcel Peter ein erfahrener Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter ad interim begleiten. Er wird uns insbesondere bei der Weiterentwicklung unserer Organisationsform 2.0 unterstützen und damit den Übergang in die neue Führungsstruktur sicherstellen. Die operative Gesamtleitung wird in der kombinierten Funktion Gemeindeschreiber/Verwaltungsleiter gebündelt und durch ein Geschäftsleitungsgremium ergänzt.
Für den Gemeinderat bedeutet dies eine stärkere Konzentration auf unsere politischen und strategischen Aufgaben. Für die Verwaltung entsteht eine zentrale operative Führungsverantwortung. Mit der OE 2.0 wollen wir auf dem Erreichten aufbauen und die Verantwortlichkeiten weiter schärfen. Die Herausforderung des Gemeinderates wird sein, die Flughöhe unseres Schaffens neu zu ordnen.
Doch eine gute Organisation lebt nicht allein von klaren Strukturen und Zuständigkeiten. Sie braucht ebenso gegenseitigen Respekt, Vertrauen und die Bereitschaft, unterschiedliche Meinungen als Bereicherung zu verstehen. Denn eine gute Führungskultur zeigt sich nicht nur darin, wie wir Entscheidungen treffen, sondern vor allem darin, wie wir miteinander umgehen, gerade dann, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.
Hier haben wir auch als Gemeinderat eine Vorbildsrolle. Denn die beste Organisationsstruktur ist nur so gut wie die Menschen, die sie gemeinsam mit Leben füllen. So schaffen wir die Voraussetzungen für eine moderne, klar geführte und zukunftsfähige Gemeindeverwaltung.
Roland Ruckstuhl
Gemeindepräsident