Nachhaltigkeit in Eglisau – Anspruch trifft Realität

Wenn ich durch unser Rheinstädtli gehe – entlang des Rheins, durch die Rebberge oder durch unsere Altstadt – wird mir immer wieder bewusst, wie besonders Eglisau ist. Diese Lebensqualität ist nicht einfach da. Sie ist gewachsen, sie wurde gepflegt. Und sie verpflichtet uns. Gerade heute.
Nachhaltigkeit ist Bestandteil der Strategie des Gemeinderats. Und der nun veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht zeigt: Wir sind auf dem Weg. Und dieser Weg ist konkret. Mit Photovoltaikanlagen auf unseren Gebäuden, dem Anschluss des Schulhauses Schlafapfelbaum an das Fernwärmenetz oder Effizienzsteigerungen in der ARA Stampfi setzen wir gezielte Massnahmen um. Gleichzeitig investieren wir in unsere natürlichen Lebensgrundlagen, fördern Biodiversität und sichern langfristig die Qualität unseres Wassers.
Ein Schritt, der auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, ist dabei besonders wirkungsvoll: die Einführung unseres Leitfadens für nachhaltige Beschaffung. Was die Gemeinde einkauft – von Materialien über Dienstleistungen bis hin zu Infrastruktur – hat Einfluss. Auf Umwelt, auf Arbeitsbedingungen und auf den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Indem wir ökologische, wirtschaftliche und soziale Kriterien systematisch berücksichtigen, nehmen wir unsere Rolle als öffentliche Auftraggeberin bewusst wahr. Nachhaltigkeit beginnt eben nicht nur bei grossen Projekten, sondern auch bei vielen kleinen Entscheidungen im Alltag.
Und trotzdem: Der Bericht zeigt auch klar, wo wir stehen bleiben könnten, wenn wir nicht aufpassen. Der Verkehr nimmt zu, der Druck auf unseren Raum wächst, und die Herausforderungen des Klimawandels sind längst auch in Eglisau angekommen. Diese Realität sprechen wir offen an. Nicht, weil es erwartet wird, sondern weil es notwendig ist.
Nachhaltigkeit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann. Sie ist ein Prozess. Oft leise, oft komplex und manchmal auch unbequem. Es bedeutet, Prioritäten zu setzen, abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, die nicht allen sofort gefallen. Aber es bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Für das, was wir heute tun, und für das, was wir künftigen Generationen hinterlassen.
Was mich dabei zuversichtlich stimmt, ist der Blick auf unsere Gemeinschaft. Nachhaltigkeit zeigt sich in Eglisau nicht nur in Energieprojekten oder baulichen Massnahmen. Sie zeigt sich auch im sozialen Miteinander: in Initiativen wie der KulturLegi, in generationenverbindenden Angeboten wie ActiveCity, in neuen Wohnformen wie der Pflegewohngruppe Kleeblatt. Sie zeigt sich dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.
Auch in der Bildung und in unserer Gemeindeverwaltung wird dieser Gedanke gelebt. Wir investieren in die Zukunft unserer Kinder, entwickeln unsere Schulen weiter und stärken gleichzeitig eine Finanzpolitik, die Stabilität schafft, ohne kommende Generationen zu belasten. Nachhaltigkeit bedeutet eben immer auch, langfristig zu denken – über einzelne Projekte hinaus.
Dieser Bericht ist deshalb kein Abschlussbericht. Er ist eine Standortbestimmung. Ein ehrlicher Blick darauf, wo wir stehen. Aber sicherlich eine Einladung, weiterzugehen. Als Gemeinde, aber auch als Gemeinschaft.
Denn eines ist klar: Die Lebensqualität, die wir heute geniessen, ist kein Selbstläufer. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen. Und genau diese Entscheidungen stehen immer wieder an.
Ich bin überzeugt: Eglisau hat alles, was es braucht, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. Nicht nur wegen seiner Lage oder seiner Infrastruktur, sondern vor allem wegen Ihnen; den Menschen, die hier leben, arbeiten und sich engagieren.
Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weitergehen.
Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen und Ihr Mitwirken.
Roland Ruckstuhl
Gemeindepräsident