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Die Tennishütte als Chance für die Jugend

Die Eglisauer Jugendlichen erhalten mit der Tennishütte einen eigenen Treffpunkt.

Zu Beginn meiner Amtszeit als Gemeinderat war die Jugendarbeit der Gemeinde eine 30-%-Stelle, die dann im Laufe der Jahre mal ausgebaut, mal wieder verkleinert wurde, und die zwischenzeitlich auch mit Aufgaben des Sozialamts betraut war. Die Jugendarbeit war einfach der Jugendraum, mehr gab es nicht. Mittlerweile sind auch das Drumherum und die Plätze im öffentlichen Raum Teil der Arbeit.

In den letzten zwei, drei Jahren hatte ich mit dem Thema Jugend intensiv zu tun, es ging um die Freizeit, um das, was draussen auf den Plätzen, an den Treffpunkten der Jugendlichen, abging. Viele machten sich Sorgen, auch viele Eltern nahmen sich des Themas an. Vielleicht hatte sich über die Jahre, während Eglisau stark gewachsen ist, einiges angestaut und ist dann einfach übergequollen, möglicherweise sind auch die Bedürfnisse und Erwartungen grösser oder anders geworden. Gerade die schwierigen Themen, Drogen und Polizeieinsätze zum Beispiel, bewogen uns dazu, über eine zusätzliche Stelle für aufsuchende Jugendarbeit nachzudenken. Eine Petition, die mich mit ihren Vorwürfen zunächst erschreckte, stellte sich als Steilpass für uns heraus und wir konnten diese Stelle schaffen. Ausserdem nahmen wir 2018 die Planung für das Kinder- und Jugendkonzept auf, das heute mit der Projektgruppe KiJu@Eglisau Fahrt aufgenommen hat.

In meiner eigenen Jugend in Eglisau gab es ein «Jugendrüümli» im heutigen Altersheimleiter-Haus, an der Ecke zum Spielplatz beim alten Friedhof. Meine Freizeit fand, neben Basteln in der Werkstatt und Arbeiten wie Holzscheiten zu Hause, am Rhein statt. Nach der Schule oder Arbeit stiegen wir zu Hause in die Badehosen und es ging subito in die Badi. In der Lehre, damals schon mit gleitenden Arbeitszeiten, fing ich extra um 6.30 Uhr mit der Arbeit an, damit ich am Nachmittag zeitig an den Rhein kam. Dort hat man seine Kollegen getroffen, das war das Wichtigste. Es ging hoch her. Neuankömmlinge wurden schon mal mit den Kleidern ins Wasser geschmissen, und wir tobten bis in alle Nacht über die Wiesen. Ab der Stifti trafen wir uns auch gerne im Restaurant Hirschen, wo es Spielautomaten und etwas zu trinken gab. Der Wirt liess uns gewähren und kochte uns auch hin und wieder um Mitternacht noch eine Pfanne Spaghetti, die dann aufs Haus ging. Das war auch jemand, der sich für die Kinder und Jugendlichen engagierte, der hat in meiner Kindheit auch die Kinderfasnacht organisiert und ist selbst in einem schönen, langen Kleid vorneweg marschiert.

Natürlich feierten wir auch. Es gab die «Wanderdiscos», zum Beispiel im Schützenhaus. Da wurde jeweils für eine Party das Lokal gemietet, alles aufgebaut und dann wieder abgebaut. Man hat Fr. 10.- Eintritt gezahlt und konnte an der Bar Getränke kaufen, und dann hat man gefeiert bis morgens um zwei Uhr. Die Veranstalter sind damit herumgezogen und wir zogen mit den Töfflis hinterher, etwa nach Bülach, Oberglatt oder Embrach. Wir haben uns an der Organisation beteiligt, haben zum Beispiel Lampen für die Lichtshows in der Werkstatt zusammengebaut. Andere hatten Eltern, die über ihr eigenes Gewerbe für Getränke oder Transporte gesorgt haben oder gar als Frühaufsteher die Ersten waren, die morgens im Schützi nach unserer Party die Flaschen zusammengeräumt haben.

Mich hat wie viele EglisauerInnen der Rhein geprägt. Daneben sind mir die Dinge in Erinnerung geblieben, wo wir selber aktiv waren und gemeinsam etwas erlebt haben, und im Zurückblicken gab es immer auch Erwachsene, die uns dabei unterstützt und gefördert haben.

Heute möchten wir den Jugendlichen mit der Tennishütte eine Gelegenheit geben, ihren eigenen Treffpunkt aufzubauen. Die Gemeinde zeigt damit, dass sie den Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwas bieten will, aber auch deren aktives Mitwirken erwartet. Unterstützt werden sie von der Jugendarbeit, damit diese Möglichkeit allen gleichermassen offensteht, nicht nur jenen mit vielen Ressourcen im Elternhaus. Hätte es das zu meiner Zeit gegeben, das wäre eine riesen Chance gewesen. Daher wünsche ich mir für die Tennishütte, dass sich dort junge Menschen zusammenfinden und «in die Hosen steigen», diese Chance packen, etwas «Cooles» zusammen aufbauen, füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen. Wer weiss, was die Jungen dann aus dem Ort alles machen – ich hätte da schon Ideen, wenn ich mir zum Beispiel die begeisterten Skater ansehe. Aber nun kommt es auf ihre Bedürfnisse und ihren Einsatz an. Ich wünsche Ihnen dabei gutes Gelingen!

Thomas Laufer/Gemeinderat Soziales und Jugend

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